Umweltfreundliches Handeln und ein bewusster Umgang mit Ressourcen nimmt glücklicherweise in den letzten Jahrzehnten deutlich zu. Dieses Bewusstsein betrifft nicht nur Konsumenten, sondern insbesondere auch produzierende Unternehmen Rohstoffe und Energie möglichst effizient einzusetzen. In diesem Zusammenhang beginnt der Nachhaltigkeitsgedanke bereits präventiv bei der Entwicklung eines Produkts. Insbesondere die analytische Betrachtung des gesamten Produktlebenszyklus von der Auswahl der Materialien bis hin zum Recycling sollte fester Prozess einer zeitgemäßen Produktentwicklung sein. Aus später Nachsorge wird proaktive Umsicht im Sinne von vorsorglichem Umweltschutz.

Um den häufig inflationär verwendeten Begriff „Nachhaltigkeit“ in diesem Zusammenhang zu definieren sei bemerkt, dass dies eine Reduzierung von Ressourcen und Energie bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktivität zum Ziel hat. Auch sollen recycelbare Rohstoffe und erneuerbare Energie verwendet werden um die Belastung auf die Umwelt auf ein Minimum zu reduzieren und bestenfalls nur Produkte herzustellen, für welche momentan Bedarf besteht. Diese scheinbar konkurrierenden Ziele in der Praxis gleichzeitig zu erreichen birgt viele Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund ist eine nachhaltige Produktentwicklung nicht nur pro forma im Integrierten Management-Handbuch der Unternehmen zu vermerken, sondern vielmehr bei täglichen Arbeitsabläufen anzuwenden und zu verinnerlichen.

Eine Vielzahl von Qualitätszertifikaten dienen zwar als Orientierungshilfe um vergleichbare Mindeststandards festzulegen, fraglich bleibt jedoch wie sich Unternehmen außerhalb der Audits dazu verhalten. So regelt REACH/RoHS bei Elektrokomponenten die beschränkte Verwendung gefährlicher Stoffe. PEFC/FSC fordert hingegen eine Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung. Das fast schon antiquiert wirkende Blauer-Engel-Umweltzeichen ist nach wie vor präsent und setzt anspruchsvolle Maßstäbe für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Eine Hilfestellung für Kunden und Unternehmen sich im Dschungel dieser und weiter Richtlinien zurecht zu finden bieten Umweltnormen. Die internationale Norm ISO 14001 legt Anforderungen an das Umweltmanagement von Organisationen fest, um deren Umweltleistung zu verbessern und in diesem Zusammenhang festgelegte Ziele zu erreichen.

Aber welchen konkreten Nutzen bieten nun der Nachhaltigkeitsgedanke bei Produktentwicklung? Als Hersteller profitiert man langfristig von reduziertem Material- und Energieverbrauch. Regelmäßig den Status-Quo zu hinterfragen, um effizienter zu produzieren und alternative umweltschonende Materialien einzusetzen die mit den traditionellen Fertigungsmethoden nicht möglich gewesen wären, ist Bestandteil einer modernen und nachhaltigen Produktstrategie. Auch das Image von Unternehmen wird durch „grüne“ innovative Produkte verbessert, was zu einer gewissen Attraktivität als Arbeitgeber führt. Im zunehmenden internationalen Wettbewerbsumfeld stellt Umweltschutz und Nachhaltigkeit einen ernst zu nehmenden Wettbewerbsvorteil dar, den häufig Marktbegleiter (mit kostengünstiger Produktion in Asien) nicht erfüllen. Schon allein im Rahmen der Corporate Social Responsibility sollte umweltbewusstes Handeln ein Treiber für Unternehmensentscheidungen sein.

Mit zunehmender Nachfrage steigt auch die Forderung an Unternehmen ökologisch durchdachte Produkte zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten. Hierdurch profitieren mittelfristig auch Kunden, spätestens die Early Majority Anwender. Innovative Technologien bzw. Materialien können auch den Vorteil von längerer Lebensdauer und niedrigem Verschleiß bieten, wie man am Beispiel von LED Leuchtmitteln sieht. Produkte zukunftssicher zu gestalten, indem man diese modular und reparierbar konstruiert ist auch ganz im Sinne von nachhaltiger Produktentwicklung. Bei sich ändernden Anforderungen muss es die Möglichkeit von Erweiterungen geben ohne eine komplette Ersatzinvestition zu tätigen. Defekte Einzelkomponenten sollen austauschbar oder reparierbar sein, hier schließt sich der Kreis zur ressourcenschonenden Herstellung und somit geringen Unterhaltskosten für Kunden.

Viele Hersteller handeln bereits vorbildlich im Rahmen eines umfassenden Product-Lifecycle-Managements. Auch beweisen Studien, dass Kunden zunehmend bereit sind mehr für Produkte und Dienstleistungen zu zahlen wenn diese umweltfreundlich sind. Dies relativiert auch höhere Entwicklungskosten für nachhaltige Produkte. Viele Ressourcen sind endlich verfügbar, deswegen stellt sich auch nicht die Frage OB, sondern WIE ein Unternehmen dieser Thematik begegnet. Die Nachfrage der Kunden bestimmt schlussendlich auch das Angebot am Markt und so liegt es an jedem Einzelnen von uns, sich aktiv für nachhaltige Produkte von umweltbewusst handelnden Herstellern zu entscheiden. Anstelle der Idealo Recherche und Sortierung nach dem günstigsten Preis, werden erfreulicherweise solche “grüne” Kriterien mehr in den Vordergrund jeder Kaufentscheidung rücken..

Author: Tim Holzapfel